Was bedeutet Validation nach Nicole Richard?

In der integrativen Validation wird der Mensch in einem ressourcenorientierten Ansatz als Person mit seiner Geschichte, seiner Würde, seinen Emotionen, zentralen Lebensthemen und Antrieben, mit seiner Sinnlichkeit und Wahrnehmungsfähigkeit, mit seinen verbliebenen Erinnerungen und Ritualen so angenommen, wie er oder sie ist. Zusätzlich wird er darin bestätigt, dass er mit diesen ureigenen Antrieben und Gefühlen, die ihn als einzigartige Person ausmachen, "richtig" ist, dass er oder sie das gelebte Leben so gut wie möglich gemeistert hat und dass sein subjektives Erleben "wahr" und "gültig" ist.                                             
"Wertschätzender Umgang mit demenzkranken Menschen; Integrative Validation nach Richard", Nicole Richard, Seite 7

Wie pflege ich meine Klienten, die an Demenz erkrankt sind

Bei der Pflege begebe ich mich in die "Welt" des Klienten, der an Demenz erkrankt ist. Ich nehme seine Gefühle und seine Antriebe war. Wie zum Beispiel, dass sie sich in ihrem Bett sicher und wohl fühlt: "Sie fühlen sich sicher im Bett". Sicherheit ist Ihnen wichtig! Allein diese zwei Sätze bewirken sehr viel. Nicht bei jedem. Es kommt darauf an, jeder Mensch, der an Demenz erkrankt ist,  hat eine andere Geschichte (Biografie). Wenn für jemanden das warme Bett nichts bedeutet, dann kommt auch keine Reaktion. Das ist eben das "schwierige", aber auch hochspannende dahinter zukommen. Die Biografie ist daher sehr sehr wichtig um die treffenden Sätze dazu formulieren zu können.
Allein die Sätze reichen nicht, es ist wichtig, dass der Klient sich ernst genommen fühlt. An Demenz erkrankte Menschen sind extrem feinfühlig und merken sofort ob man den Satz den man sagt wirklich ernst meint oder nicht.
Dies ist nur in Kürze was bei der integrativen Validation passiert. Es ist noch viel mehr.
Mit Geduld, Verständnis und Feingefühl gelingt es mir bei Klienten, die an Demenz erkrankt sind, Vertrauen aufzubauen und die Pflege durchzuführen.
Ich bin Nicole Richard so dankbar, dass sie die integrative Validation entwickelt hat!! Was mit dieser Methode bewirkt werden kann ist einfach wunderschön!
Wenn ein Mensch, der an Demenz erkrankt ist, sich ernst genommen fühlt und wieder eine ganz andere Körperhaltung annimmt und sogar wieder lachen kann ist ein unglaublich grosses Geschenk an jeden der diese Methode von Nicole Richard anwendet.

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Zeitungsartikel in "Wiler Nachrichten" vom 13. September 2018, Autorin Martina Signer:

Sohn von Dementen: «Die Krankheit muss nicht zum Kampf werden»

13.09.2018 06:55

Seine Leidenschaft für das Improvisationstheater war für Ueli Häfeli ein Instrument, um mit seiner an Demenz erkrankten Mutter zu kommunizieren. Wie das zusammenpasst? Ueli Häfeli erklärt das im Gespräch.

Flawil Seit zwölf Jahren widmet sich Ueli Häfeli intensiv dem Improtheater. Gleichzeitig ist er Goldschmied und Sohn von Eltern, die beide in die Vergessenheit abgedriftet sind: Sie litten an Demenz. Ueli Häfelis Mutter starb vor drei Jahren. «Normalerweise bedeutet Demenz ein Kampf für Angehörige und Betroffene», weiss Häfeli aus eigener Erfahrung. Mit seiner Mutter erlebte er glückliche Stunden dank Improtheater. Auch wenn sie ihn meist nicht erkannt hat. Nun will er Angehörigen in Workshops beibringen, wie man mit Demenzkranken entspannt umgehen kann und der Umgang mit ihnen auch Spass machen kann.

Ein Schlüssel für Angehörige

«Wenn ich auf der Bühne stehe, nehme ich spontan an, was das Gegenüber mir gibt. Egal, welche Szene der andere erschafft, ich spiele mit», erklärt Ueli Häfeli. Und er sieht darin Parallelen zum Umgang mit Dementen. Auch Demenzkranke befinden sich in einer eigenen Welt, ihrer eigenen Szene. Manchmal sind sie Teenager, manchmal Kinder, manchmal Erwachsene. «Meine Mutter hat beispielsweise ständig gefragt, ob ich ihre Mutter heute schon gesehen hätte. Sie ist schon lange gestorben, doch das habe ich ihr nicht mehr gesagt.» In solchen Situationen ist er mit Gegenfragen auf sie eingegangen. «Nein, ich habe sie nicht gesehen. Und du?» Damit sei das Thema für seineMutter wieder vom Tisch gewesen und man konnte sich anderem widmen. «Es ist wahnsinnig anstrengend und ein enormer Stress, ständig Dinge zu wiederholen, welche Demente sofort wieder vergessen.» Grundlagen des Improvisationstheaters, so der Goldschmied, seien der Schlüssel dafür, diesen Stress und die damit verbundene Belastung zu vermeiden.

In einer anderen Welt

«Ein anderes Mal wollte meine Mutter zu ihrer Grossmutter fahren. Also bin ich mit ihr zum damaligen abbruchreifen Haus ihrer Grosseltern gegangen, habe gemeinsam mit ihr an der Türe geklopft. Als niemand öffnete, sind wir weitergefahren. Damit war sie zufrieden. Und es kam zu keiner Stress-Situation.» Als Angehöriger weiss man laut Häfeli am ehesten, wo und wann sich der Betroffene in seiner Geschichte befindet. Es sei wichtig, sich immer bewusst zu sein, dass die eigene Welt nichts mehr mit der Welt des anderen zu tun habe. Es gebe immer wieder Situationen, in der Demenzkranke zehn Mal aufgefordert werden, sie sollen endlich von etwas ablassen oder ob sie wissen wer man ist. «Sie werden es nicht tun oder können, weil es für sie nicht mehr ihre Realität ist.»

Miteinander gegen das Vergessen

Die Workshops sind in Planung, Interessierte melden sich unter ueli.haefeli@bluewin.ch. «Der Austausch mit anderen Direktbetroffenen hilft gerade in diesem Fall sehr.» Selbstverständlich seien alle angesprochen, die sich mit der Thematik auseinandersetzen, auch Pflegepersonal oder ganze Familien. Das Improvisationstheater «miteinander» zeige Möglichkeiten auf, das Ganze zu verarbeiten und besser damit umgehen zu können. Damit das Vergessen trotzdem noch Lebensqualität beinhaltet. «Miteinander» gegen das Vergessen – Ueli Häfeli zeigt, dass Aktivierung auch spielerisch umgesetzt werden kann.   Martina Signer

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